Ein Portrait von Edelgard Bulmahn

 

„Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen. Damals war es überhaupt nicht selbstverständlich, dass ein Mädchen aus einer Arbeiterfamilie ein Gymnasium besucht. Also, da habe ich es gelernt, mich nicht klein kriegen zu lassen. Das habe ich gelernt, ja. Ich war die erste weibliche Schulsprecherin an einer ehemaligen Jungenschule.“


Es war ein langer Weg nach oben, den Edelgard Bulmahn 1998 an die Spitze des Bildungs- und Forschungsministerium führte. Ein beschwerlicher Weg auch - für eine Frau, die als zähe Kämpferin gilt.

„Widerstand heißt für mich, dass ich, wenn ich von einer Sache überzeugt bin, diesen Widerstand überwinden muss. Widerstand überwinden, dass ist für mich auch eine Herausforderung.“

In ihrem Ressort hat sie alte Zöpfe abgeschnitten, viel auf den Weg gebracht: Juniorprofessur, Exzellenzinitiative, Ganztagsschule:

„Wir haben wirklich das Thema Bildung endlich im Grund genommen nach 20 Jahren wieder zu einem richtig wichtigen Thema gemacht – Ganztagsschulprogramm und damit Ganztagsbetreuung, Ganztagsbildung ...“

Das alles hat ihr jeweils großen Ärger eingebracht, aber Edelgard Bulmahn hat sich immer durchgebissen, auf ihre Art, leise, ohne großes Tamtam und Medienecho:

„Ich bin sehr durchsetzungsstark, das stimmt. Ich mache das nicht mit großem Getöse und großem Geschrei, das stimmt auch. Wenn ich von einer Sache überzeugt bin, dann kämpfe ich auch dafür, und zwar mit aller Kraft.“

Aus ihrer Ministerzeit haben viele Reformen Bestand – dass Edelgard Bulmahn sie auf den Weg gebracht hat, daran erinnern sich jedoch nur wenige. Und das liegt daran, dass das Verkaufen, Trommeln für eine Sache nicht zu ihren Stärken gehört.

„Ich bin sicher nicht eine so gute Verkäuferin wie einige andere, das stimm. Wenn man es von daher als Schwäche beschreiben will, kann man sagen, ja. Andererseits hat es mich auch davor bewahrt, sozusagen zur bloßen Verkäuferin zu werden. Ich bin immer eine Politikerin gewesen, die für etwas steht.“


In der schwierigen Zeit der Schröder-Ära war Edelgard Bulmahn auch Vorsitzende der SPD-Niedersachsen. Und auch wenn es nicht immer einfach war - auf die linke Sozialdemokratin konnte sich Gerhard Schröder immer verlassen

„Er hat mich manchmal schon geärgert ... ja ... manchmal sicherlich auch verletzt ... Geärgert habe ich mich über ihn auch öfter; aber ich glaube, das geschieht, immer wenn man mit Menschen zusammenarbeitet.“

2005 schied Edelgard Bulmahn als Ministerin aus – kein schwerer Abschied von Dienstwagen und persönlichem Stab:

„Ich bin damit ganz gut zurechtgekommen, weil ich nicht an Statussymbolen hänge. Das habe ich nie getan; die sind ja auch für mich nicht wichtig. Ich bin ja auch als Ministerin mit dem Fahrrad hier durch die Gegend gesaust und mit der U-Bahn gefahren.“

Nur von ihrer Aufgabe, für eine bessere Bildung, eine erfolgreichere Wissenschaft zu streiten und zu kämpfen - hat sie sich schwer trennen können:

„Ich bin mit Leidenschaft Bildungs-, Wissenschafts- Forschungs- ministerin gewesen – mit Leidenschaft und mit ganz viel Herz und deshalb ist mir das auch ein wenig schwer gefallen.“

Edelgard Bulmahn ist Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses – zugleich spielt sie eine sehr wichtige Rolle in der Niedersachsen-SPD, die mitten in einer Krise steckt.

„Ich bin in Sorge, ich mache mir Sorgen. Ich sehe das gleichzeitig auch als meine persönliche Verantwortung mit dazu beizutragen, dass wir eine starke Partei in Niedersachsen bleiben.“

Die Abgeordnete aus Hannover leitete die Zukunftskommission der niedersächsischen SPD. Viele auch führende Sozialdemokraten fragen sie um Rat, weil sie als vertrauenswürdig und sehr verlässlich gilt.

„Verlässlich bin ich nicht nur in der Politik, sondern auch in meinen privaten Beziehungen. Ich bin schließlich mit meinem Mann schon ... 30 Jahre ... fast 30 Jahre verheiratet.“

Das Portrait als MP3 Stream